In der Startausgabe der neuen Zeitschrift »3E« – die ich bei dieser Gelegenheit wärmstens empfehle – erzählt Kolumnistin Christina Brudereck von ihrer 16 Jahre alten Gemeindepraktikantin Lisa. Und von deren Wahrnehmungen im Gottesdienst:
An ihrem Abschiedstag erleben wir zwei Gottesdienste, die kaum unterschiedlicher sein könnten: »Das fänd mein Papa gut«, flüstert sie im lutherischen, »Das würde jetzt Mama mögen«, im freikirchlichen. Als ich dann im Auto ein letztes Mal nach ihren Beobachtungen frage, überrascht sie mich. »Ganz schön verschieden«, leitet sie ihr Fazit ein. Aber statt über Sitzmöbel zu sprechen, Musik, Moderation und Liturgie, über Kirchkaffee und Mitbring-Buffet, spricht sie über die Gebete, »diese Gebete am Schluss«. So nachdenklich habe ich sie in diesen zwei Wochen nie erlebt. »Die einen haben alles Gott in die Schuhe geschoben. "Mach dies, mach das, Herr. Kümmer dich um den Hunger, den Krieg, die Kranken." Voll die faule Meute, die Typen.« (Ich verstehe, was sie meint.) »Und die anderen, die haben alles sich selber angezogen. Das richtete sich überhaupt nicht an Gott, die haben nur sich angesprochen. Immer, dass wir friedlicher leben, die Kranken besuchen, die Armen nicht vergessen. Deshalb waren die bestimmt auch so müde.« Was für eine Analyse.
Ja, die Fürbitten kamen in dem einen Fall tatsächlich ganz ohne menschliche Beteiligung aus, in dem anderen Fall waren sie dagegen reine Selbst-Appelle. Und Lisa war es ernst – hier ging es nicht mehr um Geschmack, hier ging es ums Herz.
Wir haben dann noch lange geredet. Über Balance, einen Mix, einen dritten Weg. Dass wir uns wünschen, Großes von Gott zu erwarten, auch Wunder, und gleichzeitig unsere eigene Bedeutung, unsere Beteiligung, nicht zu vergessen. »Es kommt auf beide an«, sagt sie und wirkt, als hätte sie eine wichtige Spur gefunden. »Auf Gott und auf mich!«
Ungünstig:
Irre Trennung:
Wer’s braucht …:
Abstiegs-Becher: